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16.07.2013 16:27 Age: 7 yrs

Ein Tag Leipzig für Islands Staatspräsidenten – Ólafur Ragnar Grímsson besucht auch Uni Leipzig

By: dbielmeier

Viel Blaulicht, eine schwarze Hochglanz-Stretchlimousine, stattliche Polizei-Motorradeskorten und vorab vor manch Örtlichkeit ein schnüffelnder Vierbeiner in staatsschützender Mission: Islands Staatspräsident Ólafur Ragnar Grímsson und Ehefrau Dorrit Moussaief waren gestern einen Tag lang in Leipzig auf den Spuren isländischer Kultur und wissenschaftlicher Kontakte.

von Angelika Raulien (Leipziger Volkszeitung)

Das Oberhaupt des kleinen Inselstaates (rund 320 000 Einwohner) startet gegen 9.45 Uhr mit Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Sabine von Schorlemer, an Leipzigs Alma mater. Ein Kooperationsprojekt interessiert – die Uni-Abteilung Automatische Sprachverarbeitung erarbeitete mit isländischen Linguisten dabei bereits ein Online-Portal zum „Íslenskur Orðasjóður“ (Isländischen Wortschatz) sowie ein Isländisches „Häufigkeitswörterbuch“. Gut 100 Zuhörer finden sich kurz darauf ein, als Grímsson über die europäische Finanzmarktkrise spricht, die auch Island erschüttert hatte. Sein Eintrag ins Uni-Gästebuch übersetzt dann eine mitreisende isländische Journalistenkollegin mit etwas Erstaunen. Ihr Staatschef, meint sie, habe sich dafür einer ganz besonderen Sprache bedient, die in ihrer Heimat nur benutzt wird, wenn jemanden „ganz großer Respekt“ gezollt werden soll. „Wir schicken Dankbarkeit und Zufriedenheit in diese Stadt, die so viele bahnbrechende und isländische Künstler hervorgebracht hat“, hieß es wohl sinngemäß.

Kurz nach 11 Uhr rollt der ganze Tross vor die Hochschule für Musik und Theater. „Ich bin dieser jetzt seit 40 Jahren verbunden, aber so einen hohen Gast gab es hier noch nie“, freut es Prorektor Hanns-Martin Schreiber. Ein kleines öffentliches Konzert folgt, bei dem sich aller Augen auf einen der aktuell insgesamt zwei immatrikulierten isländischen Studenten richten: Auf Eyþór Franzson Wechneran, der sich bald gefühl-, bald kraftvoll an der Orgel gibt. Mit anderen Studenten spielt er Bach und Mendelssohn Bartholdy. Und natürlich isländische Komponisten, die einst nach Leipzig kamen, um sich hier ausbilden zu lassen. Die Hochschulannalen etwa verzeichnen als ersten 1872/73 Sveinbjörn Sveinbjörnsson, den Komponisten der isländischen Nationalhymne. Sveinbjörnsson (1847–1927) folgte wohl so manch andere spätere isländische Berühmtheit: Páll Isólfsson (1893–1974) Jón Leifs (1899–1968) etwa. Vor Ort nun wünscht sich Grímsson, „junge isländische Künstler mögen auch künftig kulturelle Brücken nach Europa schlagen“.

Etwas Protokoll schließt sich an: Oberbürgermeister Burkhard Jung begrüßt den Gast im Neuen Rathaus; Eintrag ins Goldene Ehrenbuch plus fix einen Happen zu Mittag (Fisch, im Ratsplenarsaal). Und eines will sich Grímsson nicht nehmen lassen: Eine Gedenktafel für den isländischen Dichter Jóhann Jónsson in der Körnerstraße, wo er lebte, zu enthüllen. Er war 1921 nach Leipzig zum Studium gekommen und hier 1932, 35-jährig, an Tbc gestorben.

Zum Abschluss dann noch eine Portion Stadtgeschichte – das ist der Part von Superintendent Martin Henker in der Nikolaikirche (wobei Präsidentengattin Dorrit, geplagt vom straffen Besuchsprogramm, zwischenzeitlich kurz entschwindet, um „wenigstens mal einen Blick von Leipzigs wunderbaren Passagen“ zu erhaschen). Sie und ihr Mann, am Ende spürbar bewegt, an einem Schauplatz der Friedlichen Revolution zu stehen, legen an der Friedenssäule im Nikolaikirchhof weiße Rosen nieder. Das Paar kommt bestimmt mal wieder – „Leipzig ist so schön!“, lautet ihr Fazit beim Abschied.

 


Impressions

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Abteilung Datenbanken:
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Technische Informatik:
Der zweite Prototyp des Kugelroboters von Julius Popp, welcher im Gegensatz zu Ersterem 3 Zahnradachsen besitzt, an dem mit jeweils einem Motor die Position des gesamten Motorblocks verändert werden kann.