Beschreibungslogische Systeme zur Diagnose und Konfigurierung technischer Systeme Gerd Kamp und Holger Wache Beschreibungslogiken zeichnen sich durch einen formalen, wohl-fundierten Formalismus zur objektzentrieten Repraesentation von terminologischem (in Form von Konzepten und Relationen) und assertionalem Wissen (in Form von Individuen) aus. Darueberhinaus bieten sie noch ein Vielzahl unterschiedlicher Inferenzen wie beispielsweise o Klassifikation Aufbau der Subsumptionshierarchie unter den Konzepten o Konsistenztest Korrektheitsbeweis des assertionalen Wissens bezueglich des terminologischem Wissen o Realisierung Zuordnung von Individuen zu Konzepten Sowohl der Repraesentationsformalismus als auch die Inferenzen lassen beschreibungslogische Systeme als geeignete Basis fuer Anwendungen im technischem Bereich wie Diagnose und Konfigurierung erscheinen. In der modell-basierten Diagnose geht es im wesentlichen um die Beschreibung von technischen Geraeten sowie verschiedener Verhaltensmodelle fuer diese Geraete. Anhand von beobachteten Werten werden Hypothesen ueber das Verhalten der Geraete aufgestellt und mittels Simmulation verifiziert. Sowohl Geraete als auch deren Verhaltensmodelle lassen sich deklarativ als terminologisches Wissen formulieren; ein konkretes, zu diagnostizierendes Geraet wird als assertionales Wissen beschrieben. Fuegt man dem assertionalem Wissen noch die vermuteten Verhaltensmodelle fuer die Geraete hinzu und ueberprueft deren Konsistenz bezueglich des terminologischem Wissen, so entspricht dies einer Simulation des Geraets. Bei einer Erweiterung des assertionalem Wissens um die beobachteten Parameter kann ein beschreibungslogisches System mittels der Realisierung automatisch den Geraeten die entsprechenden Verhaltensmodelle zuordnen. Die Klassifikation hilft beim Aufbau von Verhaltensbibliotheken, indem durch Verifizierung der berechneten Subsumptionshierachie unvollstaendige, unkorrekte und doppelt beschriebene Verhaltensmodelle identifi ziert werden koennen. In der Konfigurierung technischer Systeme gilt es, aus einem vorgegebenen Komponentenkatalog eine Menge von Komponenten auszuwaehlen, die gemeinsam einer Spezifikation des zu konfigurierenden Systems erfuellen und gleichzeitig miteinander vertraeglich sind. Vertraeglichkeit wird durch Beziehungswissen unter den Komponenten modelliert. Beschreibungslogische Systeme koennen zur Konfigurierung eingesetzt werden, sind aber nur Bestandteil in einem groesseren Konfigurierungssytem, da nicht alles notwendige Wissen (wie z.B. explizites Kontrollwissen) modelliert werden kann und nicht alle Inferenzen (wie z.B. die Aggregation mehrerer Komponenten) bereitgestellt werden. Der Komponentenkatalog als auch das Beziehungswissen lassen sich analog zur Diagnose als terminologisches Wissen repraesentiert. Das assertionale Wissen enthaelt am Anfang eine initiale Konfiguration, die z.B. aus der Spezifikation gewonnen werden kann. Waehrend der Konfigurierung wird die partielle Konfiguration sukessive vervollstaendigt, so dass am Ende einer Konfigurierung die Konfigurationsloesung steht. Die wesentliche Inferenz zur Vervollstaendigung einer partiellen Konfiguration ist der (modifizierte) Konsistenztest. Durch das Beziehungswissen werden Anforderungen an Komponenten gestellt, die bei der Auswahl aus dem Katalog zu beachten sind. Mittels der Realisierung lassen sich einerseits diese Auswahl vornehmen, andererseits auch Hinweise geben, welche zusaetzlichen Informationen benoetigt werden, wenn keine eindeutige Komponente im Katalog bestimmt werden konnte. Die Klassifikation hingegen ist in der Konfigurierung von untergeordneter Bedeutung, da in der Regel der Anwender eine Subsumtionshierarchie vorliegen hat. Unsere Erfahrungen in den beiden Anwendungsgebieten zeigten jedoch, dass reine beschreibungslogischen Systeme, wie sie frei verfuegbar erhaeltlich sind, nicht ausreichen, sondern einige Modifikationen vorgenommen werden mussten. Auf der Repraesentationsebene bestand die Notwendigkeit, konkrete Gegenstandbereiche wie Zahlen entsprechend verarbeiten zu koennen. Baader und Hanschke entwickelten ein dem CLP-Schema vergleichbaren Ansatz, suf dessen Basis Constraint Solver in eine terminologisches System eingebettet werden koennen. Auch die Inferenzen mussten adaptiert werden: Das bei dem Konsistenztest explizit generierte Modell muss z.B. fuer die Simulation in der model-basierten Diagnose dem Benuzter sichtbar gemacht werden. Die bei der Realisierung zugrundeliegende Open World Annahme ueber das assertionale Wissen ist nicht adaequat und wurde unter der Praemisse, dass das terminologische Wissen vollstaendig modelliert wurde, den Anforderungen aus den beiden Anwendungen angepasst. 1